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Dienstag, den 20. Juli 2010 um 09:16 Uhr |
Sachverstand für Schulen.
Die Landtagswahl in Nordrheinwestfalen hatte ein großes Streitthema: Die Schulpolitik. Im Zentrum steht dabei meist die Frage, welche Schulform oder welches pädagogische Konzept den besten Weg weist die Unterschiedlichkeit der Kinder zu achten und zu nutzen. Menschen sind unterschiedlich. Unterschiedlich nach Alter, Geschlecht, Herkunft, Begabung, Interessen und vielen anderen Merkmalen. Diese Unterschiedlichkeit ist Quelle von Kraft, aber auch von Konflikten und Missverständnissen. Dies zeigt sich in allen Debatten über Integration, egal ob es um Einwanderer oder um Schulpolitik geht. Diese Debatten sind stets leidenschaftlich, emotional und heftig. Leider bleibt dabei oft der Sachverstand auf der Strecke und Erfahrungen aus anderen Ländern werden ausgeblendet oder einseitig gewertet.
Die Unesco hatte bereits 1994 unter dem Motto „Bildung für alle“ dafür geworben, die Unterschiedlichkeit der Menschen positiv zu werten, ihr nicht durch Ausgrenzung zu begegnen und die Bereicherung durch Vielfalt zu fördern. Unter dem Stichwort der „inklusiven Pädagogik“ wurden Schulprogramme entwickelt und bereits in verschiedenen Ländern umgesetzt, die beispielweise den gemeinsamen Unterricht von begabten und behinderten Kindern ermöglichen. Verblüffend war dabei, dass dies nicht – wie manche Eltern befürchteten – automatisch zur Benachteiligung der begabten Kinder führte, sondern im Gegenteil oft beide Gruppen förderte. Tamara Vogt, FDP-Ratsherrin wirbt daher für eine nüchterne Analyse: „Wir sind aufgeschlossen für neue Ansätze, aber vor allem sind wir unseren Kindern eine sorgfältige Prüfung der Frage schuldig, wo die Vorteile dieser Ansätze liegen und unter welchen Bedingungen sie konkret umgesetzt und genutzt werden können.“
Im Sinne dieser Einsicht hat auch der Schulausschuss des Rheinbacher Stadtrats auf Antrag der FDP entschieden die Verwaltung aufzufordern, gemeinsam mit der Schulbehörde die Möglichkeit eines zeitlich und dem Schülerumfang nach begrenzten Pilotprojektes für eine integrative Lerngruppe mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" zu prüfen und dem Ausschuss erneut zur Beratung vorzulegen. Frau Vogt erläutert abschließend „wir müssen die Möglichkeiten und und Folgen der integrativen Konzepte analysieren und die Risiken beherrschbar halten. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der sich absehbar ändernden Bildungspolitik im Lande und der künftigen Entwicklung der Schülerzahlen in Rheinbach notwendig.“
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